Welche Arten von Neuraltherapie gibt es?
Bei der Neuraltherapie werden Lokalanästhetika wie Procain, Lidocain, Mepivacain oder Bupivacain verwendet. Diese wirken auf Schmerzrezeptoren des Gewebes, auf periphere Nerven sowie die lokale Durchblutung; Wirkungen sind jedoch auch systemisch zu verzeichnen: Durch den Wegfall von Schmerzreizen kann die Aktivierung des sympathischen Nervensystems (zuständig für Kampf und Flucht) gemindert werden.
Die Neuraltherapie gliedert sich in die Lokal-Therapie, Segment-Therapie und Störfeld-Therapie.
Bei der Lokal-Therapie wird das Anästhetikum direkt die schmerzhafte Struktur infiltriert – dies können Triggerpunkte, schmerzhafte Bänder, Sehnenansätze, gereizte Knochenhaut oder auch Narben sein.
Im Körper gibt es eine reflektorische segmentale Zugehörigkeit von Haut, Muskeln und Organen. Die Segment-Therapie kann auf innere Organe regulierend wirken und Schmerzen und Verspannungen an Muskulatur und Gelenken lindern, die Durchblutung kann verbessert werden. Dafür wird das Lokalanästhetikum als Segment-Therapie am Rücken wirbelsäulennah unter die Haut gespritzt (sogenanntes Quaddeln), in Trigger-Punkte injiziert oder an Ganglien gespritzt.
Bei Störfeldern handelt es sich um chronische Reizzustände aufgrund von Verletzungen oder Entzündungen. Diese Störfelder können andere – auch weit entfernte – Bewegungssegmente oder Organe stören. Beispiele können Mandeln, Nasennebenhöhlen oder Zahnwurzeln sein sowie Narben im Allgemeinen. Durch das Infiltrieren des Störfeldes werden unterschwellige Schmerz- und Stör-Reize unterbrochen und die Regeneration des symptomatischen Gebietes ist möglich. Insgesamt wird der Körper angeregt, seine Regulationsmechanismen zu aktivieren und die Heilung damit zu befördern.
Welche Beschwerden können neuraltherapeutisch behandelt werden?
Das Einsatzspektrum ist breit, da die Neuraltherapie ein regulierendes Verfahren ist. Mögliche Einsatzfelder sind Kopfschmerzformen wie Migräne, Neuralgien, chronische Nervenentzündungen, chronisch degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule, Schmerzzustände nach Verletzungen (Verstauchungen von Sehnen, Zerrung von Muskeln, chronischer Reiz-Zustand an der Knochenhaut) oder Heilungsstörungen nach Operationen wie z. B. bei dem chronischen komplexen regionalen Schmerzsyndrom. Außerdem sprechen Narben gut auf Neuraltherapie an.
Haben Sie Fragen zur Neuraltherapie?
Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie Interesse an einer Behandlung mit Neuraltherapie haben.
Falls die Behandlung für Sie in Frage kommt, führen wir ein ausführliches Anamnese-Gespräch durch, gefolgt von einer Aufklärung über mögliche Wirkungen und Nebenwirkungen.
Literatur / weiterführende Information
- Internationale medizinische Gesellschaft für Neuraltherapie nach Huneke Regulationstherapie e.V. - Website: www.ignh.de
- Fischer, L.: Neuraltherapie nach Huneke: Neurophysiologie, Injektionstechnik und Therapievorschläge. Stuttgart 2007 (3. Aufl.). Hippokrates-Verlag.
- Fischer, L.: Pathophysiology of pain and neural therapy. Praxis (Bern 1994). 92(48):2051-9 (2003). Link zum Abstract